Rumänien: Über Fangprämien, dubiose Firmen und gefälschte Statistiken

Obwohl der Gesetzesentwurf noch nicht rechtskräftig ist und zuerst von Präsident Basescu promulgiert werden muss bzw. die Beschwerde beim Verfassungsgericht bewirkt hat, dass das Gesetz zunächst eingefroren ist, wurden Verträge mit „Hundefänger-Firmen“ in Bukarest geschlossen, die bereits jetzt fragliche Interessen vermuten lassen.

DIE GELDER: GEZAHLT AN DUBIOSE FIRMEN

Die ASPA (Behörde für die Aufsicht und den Schutz der Tiere) zahlt 219 LEI (fast 49 €) für den Fang von einem einzigen Hund! Aber nach Anhang 2 des Beschlusses des Generalrats von Bukarest dürfen hierfür nicht mehr als 70 LEI gezahlt werden.

Laut einem Artikel in den rumänischen Medien, veröffentlicht am 12. September 2013, hat die ASPA bereits am 09. September 2013 (vor der Abstimmung des Gesetzesentwurfes im Parlament) Verträge mit drei der sieben Unternehmen, die an der Ausschreibung teilgenommen haben, unterzeichnet.

Für jeden gefangenen Hund zahlt die Gemeinde 219 LEI. Laut Kuki Barbuceanu,VIER PFOTEN Projekt-Koordinator sollte die Gemeinde höchstens 10 LEI pro Hund bezahlen (inklusive der Beruhigungsmittel und Benzinkosten) zahlen und er versteht nicht, wie es zu dieser enormen Differenz kommt, so heißt es in dem Artikel der Onlinezeitung.
Die Beruhigungsmittelkosten belaufen sich auf maximal 5 LEI pro Hund, hinzukommen 5 LEI für Benzin, das macht dann 10 LEI. Wenn man natürlich nur einen Hund pro Fahrt fängt, würden die Kosten höher sein, doch im Normalfall fängt man mindestens 10 Hunde pro Fahrt/ Auto, wird weiter zitiert.

In der Tat entspricht die Summe, die von der Gemeinde pro gefangenem Hund gezahlt wird dem Preis, den man bezahlen müsste wenn man einen Hund mit einem Taxi in ein 157 Kilometer entferntes Tierheim transportieren wollte. Der Taxipreis beläuft sich auf 1,39 LEI / km. 157 km ist die Entfernung von Bukarest nach Focsani. Allerdings befinden sich die beiden städtischen Tierheime auf dem Boulevard Pallady, Sector 3 und in der Stadt Mihăileşti Giurgiu County, 25 km von der Hauptstadt entfernt.

Die Unternehmen, die die Rahmenvereinbarung mit der ASPA für den Fang der Hunde auf den Straßen Bukarests unterzeichnet haben, sind:

SC ELEN BASIC BUSINESS SRL – gegründet im Jahr 2012 und nach Angaben veröffentlicht auf der Website des Finanzministeriums gibt die Firma als Haupttätigkeit “Geschäfts- und Unternehmensberatung” an.

SC BEST MARKETING SRL – gegründet im Jahr 2004 und nach Angaben veröffentlicht auf der Website des Finanzministeriums handelt es sich um ein Unternehmen für „Zahnpflege und- kosmetik“. Ende 2012 hatte das Unternehmen fünf Mitarbeiter und einen Verlust von 53.400 Lei.

SC Terra Marique Ltd – im Jahr 2005 registriert , und nach Auskunft des Finanzministeriums tätig im Bereich “Verkauf von Möbeln, Haushaltsgegenständen, Eisenerzeugnissen”.

Alle drei Firmen befinden sich im Sector 3, Bukarest.

http://www.b365.ro/aspa-da-hingherilor-privati-219-lei-pentru-prinderea-unui-singur-caine_194547.html

Doch nicht nur die von der Stadt gezahlten Gelder für das Einfangen der Hunde sind dubios.


ANZAHL DER HUNDE AUF BUKARESTS STRAßEN

64.000, so ist die offizielle Zahl der streunenden Hunde in Bukarest. Dies ist die Zahl, die von der ASPA (Behörde für die Aufsicht und den Schutz der Tiere) veröffentlicht wurde. Doch Vier Pfoten (und andere Organisationen) zweifeln diese Zahlen an.

In einem kürzlich erschienenen Artikel in den rumänischen Nachrichten, sagt Anca Tomescu, Vier Pfoten Projektkoordinator, dass es eine glatte Lüge ist, dass 64.000 streunende Hunde in Bukarest leben.

http://www.dcnews.ro/2013/09/de-ce-a-fost-umflat-numarul-maidanezilor-64-000-o-minciuna-ordinara/

Als rumänische Reporter Herrn Băncescu (ASPA) mit ein paar sehr einfachen aber gerechtfertigten Fragen konfrontiert haben, war der Chef der ASPA nicht in der Lage diese zu beantworten. So gibt es eigentlich keine Informationen darüber, wie die Erhebung durchgeführt, welches Verfahren verwendet und wie und von wem die Untersuchung validiert wurde.

Fakt ist: Je höher die Anzahl der geschätzten streunenden Hunde ist, desto höher die zugewiesenen Mittel.

Um die Anzahl von streunenden Hunden zu schätzen, werden Hunde in einem bestimmten Gebiet mit einer bestimmten Anzahl von Straßen gezählt. Dieser Wert wird dann mit der Anzahl der Straßen einer Stadt multipliziert.

Vier Pfoten schätzt die Zahl der streunenden Hunde in Bukarest auf 25.000 – 35.000.

Für das Jahr 2013 wurde für das „Streunermanagment“ in Bukarest ein Budget von ca. 4,2 Millionen Lei zugeteilt und für das Jahr 2014 noch einmal um 2,6 Millionen LEI erhöht. Damit belaufen sich die Mittel zur Streunerbekämpfung für das kommende Jahr auf insgesamt über 6 Millionen LEI.

Würde man die offiziellen Zahlen von 64.000 Hunden auf den Straßen Bukarest nehmen und das zugewiesene Budget von 4,2 Millionen Lei dazu nehmen, so müsste man davon ausgehen, dass die Zahl der Streuner in 2014 weiter steigt, da sich das Budget für 2014 auch erhöht hat.

Die rumänische Tierschutzvereinigung FNPA schätzt die Gesamtzahl der herrenlosen Tiere in Rumänien auf 500.000. Die Behörden schätzen sie auf 3 Millionen.

Das Geschäftsmodell „Straßenhund“ ist für viele sehr lukrativ.

Codrut Feher schreibt in seinem Bericht „Die streunenden Hunde in Rumänien“:
Die Verbrennung eines Hundes kostet ca. 10-15 Euro. Da die meisten Tierheime keine Waagen haben und die Vorgaben für den Protaneinsatz festlegen, dass die Rubrikspalte vom Auftraggeber ausgefüllt werden sollte, wird das Gewicht des Tieres per Augenmaß geschätzt. So lassen sich sie Zahlen leicht manipulieren und bei (offiziell) 3 Millionen Straßenhunden in Rumänien auf immense Summen hochrechnen.

Es ist ganz offensichtlich, dass dieser ganze Unterschlagungsmechanismus schon immer mit einer langfristigen Strategie verbunden war, um die Tiere auf den Straßen zu halten und weiter Geld zu schöpfen.

Der ganze Bericht von Codrut Feher ist hier zu lesen.


FALSCHE STATISTIKEN ÜBER BEISSVORFÄLLE

Die Statistiken, die in den Medien betreffend Beissvorfällen veröffentlicht werden, sind kurzum falsch.
In Bukarest sollen z.B. im Jahr 2010 13200 Menschen gebissen worden sein.
In Wirklichkeit gab es allerdings „nur“ 789 Menschen, die von Hunden (Straßenhunden und Haushunden) gebissen wurden, gibt das Institute of Infectious Disease “Matei Bals” bekannt.

Darüber hinaus umfasst die Zahl der gemeldeten Hundebisse auch andere Tierarten (Katzen, Ratten usw.).
Der Grund: Die Menschen erklären, dass sie von unbekannten, streunenden Hunden gebissen wurden – um die Behandlungskosten nicht zahlen zu müssen. Über 70% der Bürger, die angeben von Straßenhunden gebissen worden zu sein, wurden tatsächlich von Haushunden gebissen. (Quelle: Stray Dog Situation von Carmen Arsene – 2011)

Zudem gehören zu den gemeldeten Beissvorfällen einer Stadt auch die Vorfälle, die aus dem Umland angegeben werden.


Hintergrund zur aktuellen Lage in Rumänien:
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