Ein historischer Erfolg! Das Ende der Tierversuche für die Kosmetik in der EU!

Von heute an sind in Europa Tierversuche für Kosmetika und ihre Inhaltsstoffe komplett untersagt. Das Verbot gilt auch für importierte Stoffe.
Pressemitteilung von “Ärzte gegen Tierversuche”:

Seit gestern dürfen neue Kosmetikprodukte und -inhaltsstoffe, die an
Tieren getestet wurden, nicht mehr in die EU eingeführt werden. Bis zuletzt
stand das Aus der Tierversuchs-Kosmetik auf der Kippe – sollte es verschoben
oder verwässert werden.

Die jahrelange Kampagnenarbeit unseres Dachverbandes, der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen ECEAE
seit Mitte der 1990er Jahre hat maßgeblich den stufenweisen Ausstieg aus dem Kosmetik-Tierversuch vorangetrieben. Seit 2004 sind Tierversuche für Kosmetika EU-weit verboten und seit 2009 ist die Einfuhr von an Tieren getesteten Kosmetik-Rohstoffen und Endprodukten nicht mehr erlaubt. Für drei Tests war eine Übergangsregelung ab 11. März 2013 vorgesehen.

Doch als der Zeitpunkt näher rückte, wollte die EU ihn auf Druck der Industrie um zehn Jahre verschieben oder mit Ausnahmen durchlöchern. Zusammen mit unseren Partnern bei der ECEAE startete unser Verband Ärzte gegen Tierversuche die Kampagne ‚NEIN zu
Tierqualkosmetik’, um dies zu verhindern. Im Oktober 2012 überreichten wir knapp eine Viertelmillion Unterschriften an das EU-Parlament in Brüssel.

Nach 23 Jahren intensiver Lobby- und Kampagnenarbeit ist nun geschafft, das Verbot ist in Kraft getreten! Der Erfolg darf aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Tiertests in der Kosmetik nur einen winzigen Bruchteil aller Tierversuche ausmachen.

Auch, wenn vermutlich „nur“ einige tausend Tiere davon
betroffen sind, ist dies ein historischer Tag und ein sehr wichtiger Schritt,
auf den wir aufbauen können. Im Bereich Tierversuche ist es äußerst schwierig,
überhaupt Erfolge zu erzielen. Jede Maus, die nicht einen qualvollen Tod
stirbt, ist es Wert, sich zu freuen.

Der Bundesverband der Tierversuchsgegner schätzt, dass ein Großteil der Inhaltsstoffe von Kosmetika gar nicht unter die EU-Kosmetika-Richtlinie fällt. Für sie ist vielmehr das ganz normale Chemikalienrecht (REACH) relevant. Das bedeutet, dass diese Stoffe nicht prinzipiell tierversuchsfrei sein müssen. Ganz im Gegenteil, das Chemikalienrecht sieht in manchen Fällen noch immer explizit Tierversuche vor. Von “Toxikologischer Prüfung zur Sicherstellung der menschlichen Gesundheit” ist dann die Rede.

Unter anderem müssen teilweise Chemikalien mit Tierversuchen getestet werden, um ins EU-weite Chemikalienregister REACH aufgenommen zu werden. Zum Teil sind diese Stoffe sogar schon zugelassen. Trotzdem schreibt REACH die erneute Prüfung vor. Die Tierschutzakademie warnte schon vor einem “Massengrab für Versuchstiere“.

Ob die Zahl der Tierversuche in letzter Zeit wegen REACH gestiegen ist, könne man noch nicht sagen, antwortete die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag. In Deutschland jedenfalls steigt die Zahl der Versuche. Das zeigen aktuelle Zahlen auf den Seiten des Bundesverbraucherministeriums, dessen Hausherrin Ilse Aigner (CSU) ja auch fürs Tierwohl zuständig ist. Im Jahr 2011 wurden an rund 2,9 Millionen Tieren Versuche gemacht: Blutentnahmen, Operationen oder Medikamententests. Das ist ein Plus von 1,9 Prozent zum Vorjahr – und die Zahlen steigen von Jahr zu Jahr.

Getestet wird vor allem an Mäusen, in vielen Fällen für die Krebsforschung. Dass die Zahlen steigen, zeigt, wie viel trotz des Kosmetika-Versuchverbots noch zu tun ist.

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