Ein Auf und Ab der Gefühle : Meine Reise nach Apulien

Ein Bericht von Dr. Roland Eichler

Vom 9.-12.Februar 2012 besuchte ich Luigia Parco, die Vorsitzende des italienischen Tierschutzvereins “Associazione Protezione del Cane Gaia O.N.L.U.S. in Manduria, den wir darin unterstützen, die Situation der Hunde vor Ort zu verbessern. Wir hatten außer einem Arbeitseinsatz auf dem Oasi Nuova Vita nichts geplant und so ließ mich Luigia drei Tage lang an ihrem üblichen Tierschutzalltag teilnehmen.

Und um es vorweg zu sagen : Es war eine körperliche und seelische Tortur. Was Luigia hier leistet, kann man mit Worten nicht beschreiben. Das Telefon beginnt früh um 6.00 Uhr zu läuten und das hört dann den ganzen Tag nicht mehr auf. Die letzten Anrufe kamen gegen 1:00 Uhr! Jeder will einen Rat oder Hilfe von Luigia, alle verlassen sich auf sie. Und Luigia bringt es einfach nicht fertig, einmal “Nein” zu sagen.

Da sind verletzte Hunde zu versorgen, Papiere für Adoptionen exakt fertigzustellen, Impfungen, Chippungen und Sterilisationen zu organisieren, Hunde zum Tierarzt zu fahren, die Hunde auf dem Oasi und auf der Straße zu füttern und so weiter und so weiter…es ist eine Kette ohne Ende. Und dann hat Luigia auch noch eine Familie, eigene Hunde und zwei Kinder…

Aber der Reihe nach:

1.Tag:

Gegen Mittag kam ich in Bari an. Gabriele, der Mann Luigia`s holte mich ab und wir fuhren durch ein verschneites Apulien (!) nach Manduria. Dort angekommen, begann es heftig zu regnen und dieser starke Regen sollte uns dann in den nächsten Tagen fortwährend begleiten. Am Nachmittag fuhren wir zunächst auf das Oasi Nuova Vita, da ich unbedingt so schnell wie möglich die Hunde und das neu errichtete Gehege sehen wollte.

Als wir dort ankamen, sahen wir schon von außen Stella und Nerone aus ihrem neuen “Appartment” auf uns zu rennen, in das sie sich wegen des Regens zurückgezogen hatten und das erst vor ein paar Tagen aufgestellt worden war.

Und dann sah ich die Hunde aus Lizzano wieder.
Es ist unglaublich, was aus ihnen geworden ist! Diese Hunde, die wir im Oktober in einem seelisch und körperlich schwer traumatisierten Zustand angetroffen hatten und die von Luigia aus dieser schrecklichen Haltung befreit worden waren, sind inzwischen zu ganz lieben, offenen und verspielten Hunden geworden. Zwei oder drei von ihnen sind noch etwas zurückhaltend, alle anderen reagieren auf ihren Namen, freuen sich und wollen nur schmusen und knuddeln.

Giorgia mit Sascha

Luigia hat diese Hunde nicht nur körperlich, sondern auch seelisch kuriert! Sie sind wieder im Leben angekommen!
Es war eine solche Freude für mich, diese Hunde nun in diesem guten Zustand wiederzutreffen.
Da war Carola, die ständig mit Giorgia spielen wollte, Sascha, die 1 Jahr alte Hündin, die seit dem Welpenalter nur an der Kette lag und nun fröhlich und lustig auf jeden Menschen zugeht, der sich ihr nähert, Spanch, der lustige Pfiffikus, der immer fotografiert werden wollte, der kleine Ninnino, der damals im Oktober ein Bild des Schreckens war und nun fröhlich herumlief, Red, der jeden von uns mit seinem Charme um den Finger wickelte und viele andere…

Wegen des Regens konnten wir leider nicht lange bleiben, denn wir mussten noch zu Billy fahren, den wir ja im Oktober 2011 im Rahmen unserer letzten Apulienreise kennengelernt hatten
Hier unser damaliges Zusammentreffen:

Billy war damals kurz nach unserer Abreise wegen der Beschwerde eines Anwohners von Manduria eingefangen und ins Canile Manduria`s eingeliefert worden, was seinen sicheren Tod zur Folge gehabt hätte. Luigia holte ihn schon 24 Stunden später wieder heraus und brachte ihn auf einem Gartengrundstück ihrer Freundin Gina unter, wo er seitdem auf seine Familie wartet. Nun sollte Billy am Wochenende von Anina, einer Facebookfreundin, die nun nach Apulien gezogen war, adoptiert werden. Als wir dort ankamen, sah ich einen nach wie vor superlieben und menschenfreundlichen Hund.


Aber ich sah auch einen Hund, der vor Kraft und Energie nur so strotzte. Als wir ihn gefüttert hatten und eine Katze auftauchte, wollte er sofort auf sie los. Also mit anderen Worten : Billy ist kein Katzenfreund. Luigia und ich beratschlagten hin und her und kamen dann – zum Leidwesen von Billy – zu der Entscheidung, dass er nicht der richtige Hund für Anina und ihr dreijähriges Kind sein konnte. Dafür war er zu lebhaft und zu stark. Das war nicht verantwortbar. Dazu kommt, daß Billy futterneidisch ist und daher auch ein Zweithund eher ungünstig wäre. So hofften wir, dass Anina sich für einen Hund vom Oasi würde erwärmen können. Billy, der so unglaublich gutmütige Riese, braucht einen Einzelplatz ohne Kleinkinder und ohne Katzen. Dann ist er der tollste Hund, den man haben kann. Wir hoffen für unseren Billy, dass er eine entsprechende Adoptionsstelle finden wird. Denn dort in diesem Gartengrundstück kann er nicht bleiben.

Nach Billy fuhren wir Straßenhunde füttern, die weit ab von bewohntem Gebiet dort regelmäßig von Luigia und ihren Helfern versorgt werden. Sie leben auf einem Olivenhain, der in Privatbesitz ist. Luigia hat die Besitzer davon überzeugen können, dass diese Hunde dort geduldet werden. Bilder konnte ich keine machen, da es bereits dunkel geworden war.

Gegen 22.00 Uhr waren dann erst mal alle “Pflichten” erfüllt und wir trafen uns mit Mimma und Rosanna in der Trattoria zum Abendessen. Dort erzählte Luigia von Red, der nun eine Adoptionsstelle in Mailand gefunden habe und am nächsten Tag seine Reise dorthin antreten würde. Sie erzählte das aber unter Tränen, denn es fiel ihr sehr schwer, sich von Red zu trennen, der ihr so ans Herz gewachsen war. Ja und dann meinte Rossana, dass sie sich am nächsten Tag Red einmal anschauen würde…und Luigia strahlte über beide Ohren. Würde er in ihrer Nähe bleiben können ?



2. Tag:

In der Realität Apuliens angekommen….

Als ich am nächsten Morgen die vier Hunde Luigias kurz gassiführte, stand plötzlich ein vollkommen abgemagerter Strassenhund vor uns.


Sein Anblick war schrecklich, überall schauten die Knochen heraus und sein Fell war vom Schlamm verfilzt. Er suchte etwas zu Fressen und es war einfach nur schlimm ihn so zu sehen. Ich rief nach Luigia, die bei seinem Anblick sofort Futter holte und er verschlang gierig 2 Kilo Trockenfutter.

Luigia meinte, dass er schon einen sehr weiten Weg zurückgelegt haben musste. Es handelte sich um einen Pointer, also Jagdhund, der offensichtlich nicht “gut genug” gejagt hatte und daher einfach ausgesetzt worden war, ein übliches Verfahren hier in Süditalien.

Luigia holte dann noch Dosen hochwertigen “Terra Canis-Futters”, das sie gerade für solche Hunde, die am Ende ihrer Kräfte sind, aufgehoben hatte. Leider waren es die letzten drei Dosen, die sie noch hatte…

Luigia legte ihm eine warme Decke in die Hundehütte vor ihrem Haus, in der Hoffnung, dass er sich hier niederlassen würde, um sich dann um ihn kümmern zu können. Doch leider blieb er nicht, sondern machte sich wieder “auf den Weg” ins Nichts. Aufs Oasi konnten wir ihn nicht bringen, da dort die erlaubte Anzahl von Hunden bereits erreicht und nicht überschritten werden darf, bis die endgültige Autorisation seitens der Amtstierärzte und Gemeinde erfolgt ist (dann werden wir 30 Hunde beherbergen können). Es war ganz furchtbar, mit anzusehen, wie er davonlief in Richtung Hauptstraße und in eine ungewisse Zukunft voller Gefahren. Und so blieb uns nur die Hoffnung, dass er hierher zurückkehren würde.

Dann setzte wieder der Regen ein, es schüttete und wollte einfach nicht aufhören.

Trotzdem machten wir uns auf den Weg zum Oasi, da wir uns ja mit Rossana wegen Red verabredet hatten und auch die Namensschilder der Spender und die Karten an dem Spendenbaum anbringen wollten. Auf dem Weg dorthin fuhr dann eine Mitarbeiterin von Luigia`s Verein plötzlich vor uns her, die auf dem Weg zu einem von ihr betreuten Rudel von Straßenhunden war. Und dann tauchten sie plötzlich auf. Sie hatten das Auto der Tierschützerin erkannt und rannten uns ca. 2 Kilometer AUF DER STRASSE hinterher.

Mir bleib fast das Herz stehen! Aber scheinbar sind sie das gewohnt und es ging gut. An der Futterstelle angekommen, wurden wir von einem Rudel von ca. 10 Hunden umringt, die alle auf ihr Futter warteten. Dabei war auch Lara, die Gefährtin von Nerone, die Luigia bald auf das Oasi bringen wird, sobald sich wieder ein freier Platz ergibt. Auch diese Hunde waren superlieb, freuten sich unbändig und warteten geduldig auf ihr Fressen, einige in sicherer abwartender Entfernung, andere, indem sich uns schwanzwedelnd begrüßten.

Die Tierschützer fütterten diese Hunde, die alle einen Namen haben, nicht nur, sondern sie krochen trotz Schlamm, Wind und Regen in den für die Hunde gebauten Unterstand, säuberten alles und legten frische Decken für sie zurecht. Welche eine Fürsorge und Liebe zu den Hunden ! Man ist da nur gerührt und wenn man an die Menschen denkt, die nichts für die Tiere tun, beschämt. Die Zuneigung und Liebe dieser Hunde zu spüren, denen man ein Zuhause genommen hatte und die dazu gezwungen sind, dieses Leben zu führen, ist schmerzlich und macht sehr traurig ob der Gefühlskälte vieler Menschen hier. Und dann sieht man diese unglaubliche Empathie, diese tiefe Fürsorge der italienischen Tierschützer, die alles für diese Hunde tun, ihnen jede freie Minute opfern, jeden Euro für sie ausgeben. Eine Diskrepanz, die man nicht begreift.

Nach dieser Aktion- wir waren inzwischen von Kopf bis Fuß durchnässt – ging es weiter zum Oasi und immer und immer wieder läutete das Telefon von Luigia…
Dort traf Rossana ihren Red. Und es war Liebe auf den ersten Blick! Damit war klar, dass Red in Manduria bleiben würde und sich Luigia damit auch nicht vollends von ihm trennen musste. Alle, auch die Mitarbeiter von Luigia, die sich in den letzten Monaten so sehr um jeden einzelnen dieser ehemaligen Lizzanohunde gekümmert hatten, waren darüber sehr glücklich.

Und so ging es für Red in sein neues Zuhause:

Inzwischen hatte es Gott sei Dank einmal zu regnen aufgehört und dadurch konnten wir nun die Namensschilder der Spender an den Hundehütten anbringen und auch die Karten an unserem neuen “Spendenbaum”.

Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit bei allen von ganzem Herzen bedanken, die dazu beigetragen haben, dass Luigia diese Hütten anschaffen konnte, damit die Hunde eine gemütliche Rückzugsmöglichkeit haben. Ein besonderer Dank geht hier an den Schweizer Verein SOS- Strassenhunde, der Luigia seit Jahren tatkräftig unterstützt und sich auch für diese Aktion eingesetzt hat.

Und ich möchte mich auch bei all denen bedanken, die uns bisher beim Projekt “Oasi Nuova Vita” unterstützt haben. Unser mit IHREN Namen geschmückter Baum und die Hundehütten mit IHREN Namen inmitten des Geheges soll unseren und Luigia`s Dank dafür zum Ausdruck bringen.

Wir hoffen natürlich, dass dieser Baum noch viel bunter werden wird. Was hier entsteht, ist einmalig in Süditalien. Das Oasi Nuova Vita wird ein Pilotprojekt werden, inmitten einer Region, in der es nur Hundelager gibt, in denen die Hunde die Hölle auf Erden durchleben. Das Oasi Nuova Vita soll ein Referenzprojekt für einen liebevollen und verantwortungsvollen Umgang mit diesen wunderbaren Geschöpfen werden.

Und der Anfang dafür ist gemacht.

DANKE AN SIE ALLE !!!


Am Abend erreichte Luigia wieder ein Notruf von Tierschützern. Man habe einen Welpen namens Red aus dem Canile gerettet, der am nächsten Tag auf seine Adoptionsstelle nach Mailand gebracht werden sollte. Nun wisse man aber nicht, wohin mit ihm bis zum nächsten Morgen. Naja, klar, da sagte ich natürlich sofort zu. Red sollte die Nacht bei mir in meinem Bett verbringen. Gesagt, getan, holten wir diesen süßen kleinen Kerl ab und fuhren zu Luigia.Er hatte einen aufgeblähten Leib und wurde von uns erst einmal entwurmt.

Dann trug ich ihn in mein Zimmer, wo er sofort aufs Bett sprang und es sich gemütlich machte. Die Nacht verbrachte er dann in meinen Armen, sein Köpfchen in meine Achselhöhle gesteckt. Und während ich ihn atmen hörte, dachte ich mir :

“Kleiner Red, Du hast es geschafft! Du wirst nicht in einem dieser Dreckscanili Apuliens elendig verhungern!” Er war so ein süßer kleiner Kerl. Die Nacht verging mit wenig Schlaf, da er auch Durchfall hatte und ich mehrmals den Boden aufwischen musste. Aber was solls, er durfte trotzdem zu mir ins Bett. Am nächsten Tag gings in Begleitung einer Tierschützerin mit dem Zug nach Mailand in sein zukünftiges Zuhause. Ciao kleiner Red, ich wünsche Dir ein gutes Leben!




3. Tag:

Notruf früh um 7.00 Uhr

Nonnino, der kleine Yorki, der von Luigia aus Lizzano gerettet, hat blutigen Durchfall. Das Schlimme daran war, dass Nonnino eine Adoptionszusage hatte und am nächsten Tag zu seiner Familie nach Mailand reisen sollte. Und nun das! Also fuhren wir sofort zum Tierarzt.

Dieser untersuchte ihn, stellte aber nichts Auffälliges fest, auch Blut konnte er nicht finden. Er ging daher von einer Infektion aus und verabreichte Antibiotika, eine kräftigende Infusion und spritzte Vitamine. Der Tierarzt war rührend um den kleinen Nonnino bemüht und zog ihm sogar ein Mäntelchen an, um ihn zu wärmen.

Dann brachte er ihn auf seine Station und wir waren guter Hoffnung, dass alles gut gehen würde.

Happy End für Spenk und Volpe

Mittags hatten wir uns mit Anina auf dem Oasi verabredet, die sich die Hunde anschauen und evtl. einen ( oder zwei ?) von ihnen adoptieren wollte. Wir trafen uns vor dem Haus von Luigia und fuhren dann gemeinsam zum Oasi.
Anina war in Begleitung ihrer Tochter Goia und ihres Mannes Luis. Und als sich Goia dem Gehege näherte, fiel ihr Blick sofort auf Spenk. Es war Liebe auf den ersten Blick, denn auch Spenk ging sofort auf sie zu. Unglaublich, aber die Wahl war schnell getroffen, Spenk sollte es sein! Dieser kleine Hund, der soviel mitgemacht hatte, sollte nun ein schönes Zuhause bekommen. Wir waren alle sehr glücklich! Aber nicht nur das, auch Volpe, der noch etwas zurückhaltende, aber inzwischen immer mehr auftauende ebenfalls ehemalige Hund aus dem Lager von Lizzano, sollte ebenfalls mitkommen ! Diese zwei Hunde hatten es geschafft!
Hier sehen Sie ihren Abschied aus dem Oasi Nuova Vita:



Nachdem wir die Hunde im Auto von Anina untergebracht hatten, bat Luigia noch darum, dass sich ihre Mitarbeiter, die sich in den letzten Monaten so sehr um diese Hunde gekümmert und sie alle in ihr Herz geschlossen hatten, verabschieden können und so fuhren wir nochmals zu Luigia, wo sie alle schon warteten. Und dann flossen viele Tränen. Aus Freude über das glückliche Schicksal von Spunch und Volpe, aber auch, weil sie sich nun von den beiden trennen mussten.

Aber sie werden in der Nähe von Luigia wohnen und dadurch wird der Kontakt nicht abreißen…

Der Horror Apuliens: Ein “Tierheim” in Lizzano




Von dem Hundelager Lizzano hatten wir in unserem Reisebericht vom Oktober 2011 bereits berichtet. Luigia und Stefan Weber von Tierärzte im Einsatz hatten damals alle dort befindlichen Hunde gerettet, sie tierärztlich versorgt, geimpft, sterilisiert, 5 Tonnen Müll entsorgt und das Gelände gesäubert. Nach dieser Aktion wurden viele der Hunde von Luigia und ihren Mitarbeitern zunächst in einer Fabrikhalle von Lizzano untergebracht und dann einige von ihnen auf das Oasi Nuova Vita transferiert. Leider kam Luigia zu Ohren, dass nun erneut katastrophale Zustände auf dem Gelände dieses “Tierheims” herrschen sollen und die Hunde durch die Regenfälle der letzten Wochen bis zum Knie im Schlamm stehen.
Also fuhren wir erneut nach Lizzano, um nachzusehen.
Ich hatte auf der Fahrt dorthin ein mulmiges Gefühl, denn die Eindrücke der Oktoberreise waren noch immer präsent. Die Vorahnung dessen, was mich erwarten würde, wurde jedoch von der Realität weit übertroffen! Als wir dort ankamen, sahen wir sofort wieder Müll und herumliegenden Dreck und als wir dann hineingingen, wurde mir eigentlich nur noch schlecht. Hier herrschte erneut das absolute Chaos. Als wir an die Zwingeranlage kamen, sahen wir die verzweifelten Hunde im Schlamm stehen und viele der Hundehütten, die Luigia aufgestellt hatte, waren verschwunden.

Die Besitzerin M.M. lachte, war fröhlich und betonte immer wieder, wie sehr sie doch ihre Hunde liebt! Unfassbar.
Diese Frau ist krank, schwerkrank und alle diese armen Hunde sind ihr schutzlos ausgeliefert. Die Hunde außerhalb des Zwingers lagen erneut alle an der Kette, vielen von ihnen waren krank, husteten und der Eiter floß ihnen aus den Ohren. Ein Inferno!

Doch das war noch nicht alles.

Das Haus des Todes

Hinter der Zwingeranlage befindet sich ein kleines viereckiges Haus, ohne Fenster. Stolz berichtete M.M., dass sie hier ihre Hundemütter und Welpen untergebracht hat, damit sie nicht frieren. Als wir uns dem Haus näherten, drang uns sofort ein unglaublicher Gestank in die Nase. Und als wir hineingingen, schauten wir der Hölle in den Rachen. So etwas habe ich bisher noch nicht gesehen. Überall waren angekettete Hunde, ohne Tageslicht in völliger Dunkelheit, dazwischen überall Welpen, die fiepsen und Dreck, Müll und Gestank.
Wir waren fassungslos und konnten unsere Wut kaum mehr zurückhalten.
Luigia konnte gar nicht mehr an sich halten und nahm sich M.M. “zur Brust”, doch ist hier alles Reden zwecklos. Dieser Frau muss die Erlaubnis zum Halten von Hunden definitiv entzogen werden, sonst wird sich dieses Chaos hier immer wieder einstellen. Anzeigen wären zwecklos, denn dann kämen diese Hunde ins Canile und nach einem Monat hätte sie sich die nächsten Hunde besorgt…

Luigia hat inzwischen bereits einen offenen Brief an den Bürgermeister von Lizzano geschickt, der von vielen anderen italienischen Tierschützern und Organisationen unterzeichnet wurde. Der Bürgermeister von Lizzano hat die Pflicht, sich um die Hunde auf seinem Territorium zu kümmern!


Tigro und Perla : Zwei durften mit auf das Oasi Nuova Vita

Wir hätten natürlich gerne viele von den Hunden aus dieser Hölle befreit und mit auf das Oasi genommen. Leider konnten wir aber nur zwei Hunde mitnehmen, da wir die derzeit erlaubte Anzahl von Hunden auf keinen Fall überschreiten dürfen. Und so nahmen wir wenigstens Tigro, den Boxermischling und die kleine Perla, einen Junghund, mit. Sobald durch Adoptionen wieder Platz auf dem Oasi bestehen würde, will Luigia noch einige andere dieser Hunde holen.
Ja und dann ging Lucia, die Mitarbeiterin von Luigia, in diesen schlammigen Zwinger und holte Tigro und Perla heraus. Gott sei Dank konnten wir wenigstens diese zwei Hunde erlösen. Aber die anderen mussten leider zunächst zurückbleiben.

Auf unserer Rückfahrt von diesem “Tierheim” fuhren wir – ca 10 Minuten davon entfernt – noch durch ein Weinanbaugebiet, als Giorgia auf dem Rücksitz plötzlich schrie : “Stopp, da sitzt ein einsamer kleiner Hund!” Also Vollbremsung. Wir stiegen aus und da kam das kleine ausgesetzte Hundemädchen auf uns zugelaufen. Scheinbar hat sie Hilfe gesucht. Sie flog in unsere Arme, war gar nicht ängstlich, aber sichtlich erschöpft und unterernährt. Hier in dieser verlassenen Gegend, wäre sie mit Sicherheit verhungert. Also nahmen wir sie mit aufs Oasi…es ging nicht anders. Wir nannten sie Fortunata :

Abschied…

Nachdem wir die Hunde alle auf dem Oasi gut untergebracht hatten ( Perla, Tigro und Fortunata haben sich innerhalb von wenigen Minuten gleich ihre Hundehütte ausgesucht und Freundschaft mit den anderen Hunden geschlossen), brachten wir dann noch zwei Hunde vom Oasi, die am nächsten Morgen nach Norditalien in Adoption gegen sollten, bei Mimma unter. Auch hier flossen wieder Tränen des Abschieds. Aber auch diese beiden wurden in tolle Familien vermittelt, wo es ihnen gut gehen wird.

Abends kamen wir dann gegen 22.00 Uhr bei Luigia an. Es war ein langer ereignisreicher Tag gewesen. Ja und nun mussten wir uns leider voneinander verabschieden, da ich am nächsten Morgen bereits um 5:30 Uhr aufstehen und zum Flughafen Bari fahren musste.

Der Abschied fällt mit jedes Fall sehr schwer, denn Apulien und die Hunde dort sind so etwas wie meine zweite Heimat geworden.



4. Tag:

Nocciolina`s und Nutella`s Happy End

Ich reiste natürlich nicht zurück, ohne als Flugpate zu fungieren.

Carmen von SOS-Strassenhunde in der Schweiz hatte für Nocciolina und Nutella, zwei Hunde aus dem Canile in Alessano, einen Pflegeplatz gefunden und so durften sie mit mir kommen. Sie wurden von Raffaela Vergine an den Flughafen in Bari gebracht, wo wir erst einmal mit ihnen spazieren gingen, damit sie sich lösen konnten und flogen dann in eine bessere Zukunft. In München wurden sie von Louise, eine Mitarbeiterin Carmens abgeholt, die extra aus der Schweiz angereist kam.

Diese beiden sind dadurch dem Dahinvegetieren in einem Canile Apuliens entronnen.

Diese Reise verdeutlichte mir erneut, wie wichtig es ist, hier zu helfen. Und diese Hilfe muss vielschichtig sein. Die Not der Hunde ist zu groß, als dass man hier aktive Hilfe vor Ort verweigern könnte, aber die prophylaktischen Maßnahmen wie z.B. Sterilisationen MÜSSEN weiter vorangetrieben werden. Und um dem Leiden der Hunde in diesem schrecklichen Canili etwas entgegensetzen zu können, ist die Schaffung des von uns angestrebten Pilotprojektes “Oasi Nuova Vita” ebenfalls von großer zukunftsweisender Bedeutung, um den Menschen hier zu zeigen, dass es auch anders geht.

Ich bitte Sie, helfen Sie uns, damit wir helfen können.

Bericht : Roland Eichler
Tierschutzprojekt Italien e.V. (i.Gr.)
r.eichler@tierschutzprojekt-italien.de

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Million Actions unterstützt dieses Projekt persönlich und vor Ort. Wir waren bereits 2 Mal in Apulien bei Luigia und wissen um die Bedeutung dieses Projekts.

 

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