Apulienreise 2011- 5 Tage Tierschutz hautnah

Vom 13.-17. Oktober 2011 besuchten wir zusammen mit Vertretern anderer Tierschutzorganisationen und privaten Unterstützern des “Oasi Nuova Vita” Luigia Parco und ihre Mitarbeiter.

Es war eine Reise voller Emotionen und vieler vergossener Tränen, die uns allen die Notwendigkeit, hier in Apulien helfen zu MÜSSEN, deutlich vor Augen geführt hat.

Aber es war auch eine Reise, durch die wir viele wunderbare Menschen kennenlernen durften, die ihr ganzes Leben dem Tierschutz widmen. Und es war eine Reise, die uns zeigte, dass das Projekt Puglia mit der Errichtung des Tierschutzzentrums “Oasi Nuova Vita” ein wichtiger und vor allem richtiger Weg ist.

Richtig deshalb, weil damit die italienischen Tierschützer nicht nur operativen Tierschutz betreiben können, sondern insbesondere deshalb, weil durch dieses Pilotprojekt vor allem langfristig eine grundlegende Veränderung herbeigeführt werden kann.

Die Reise zeigte uns auch, dass der von Luigia Parco geführte politische Tierschutz gegen das “Business Canile” eine immer größere Bedeutung bekommt, da das System Canile immer mehr ausufert, ja zur institutionalisierten Normalität zu werden scheint, mit entsprechenden Folgen für die ca. 600.000 eingesperrten Hunde.

Wenn wir den Hunden Italiens helfen wollen, reicht es deshalb nicht, sich NUR um Straßenhunde zu kümmern. Das zweifelsohne größere Drama spielt sich hinter den Canilimauern ab. Hier finden wir Tod, Schmerz, Verhungern, Verdursten, Enge, Kälte, Hitze und Hoffnungslosigkeit. Und daher ist die Schaffung des Oasi Nuova Vita parallel zum politischen Tierschutz von so großer Bedeutung.

Diese Reise hinterließ bei uns allen eine immense Traurigkeit.

Aber Luigia sagte mir unter Tränen nach dem Besuch des Canile :”Wir dürfen, ja wir sollen traurig sein, aber diese Traurigkeit muss dann der aktiven Hilfe für die Tiere weichen, da Traurigkeit alleine keinem Hund hilft”…

Ja, da hat sie sicher recht.

Und deshalb werden wir für die Hunde Italiens kämpfen!!

Dr. Roland Eichler

Tag 1 und 2

Am 12. Oktober machte ich (=Roland) mich abends auf den Weg zu Luigia und traf dort gegen 21.00 Uhr ein. Luigia war – wie zu erwarten – gerade wieder zu einem Notfall gerufen worden und nicht zuhause. Luigia`s Mann Gabriele und ich fuhren trotzdem sofort zum Oasi, dessen Besuch ich einfach nicht mehr erwarten konnte. So fuhren wir in tiefer Nacht, bei Vollmond und vielen Sternen am Himmel zum Oasi.

Als wir dort eintrafen, wurden wir sofort schwanzwedelnd von Stella und Nerone begrüßt, die hier ja vor kurzem ihr vorübergehendes Zuhause gefunden hatten.

Es war ein unglaublich schönes Gefühl, das Tor zum Oasi zu öffnen und endlich nach einem Jahr wieder auf diesem Grundstück zu stehen. Wieviel hat sich seit Oktober 2010 getan! Es war ein unbeschreibliches Glücksgefühl, hier zu sein.

Stella, die ehemalige Kettenhündin und Nerone, der ehemalige Straßenhund, spielten freudig miteinander und holten sich eine Streicheleinheit nach der anderen ab, der Mond schien herunter und die ganze Atmosphäre war einfach nur friedlich und schön.

Nach einer Stunde, in der mir Gabriele von den durchgeführten Baumaßnahmen berichtete, fuhren wir zurück und ich konnte dann auch Luigia begrüße. Sie berichtete mir, dass wir am nächsten Tag den neuen Architekten des Oasi Nuova Vita, Andrea Simeoni aus Venedig, am Flughafen Brindisi abholen müssen. Dieser würde extra für unsere Reise zu uns stoßen, um mit uns zusammen über die weiteren Bauvorhaben zu sprechen und um mit uns auch bei der Gemeinde Mandurias wegen der Formulierung des Bauantrages vorstellig zu werden.

Dann stieß auch noch die inzwischen aus Lecce eingetroffene Carmen Gierit und ihre Kollegin Louise von SOS-Strassenhunde aus der Schweiz zu uns, die einen süßen kleinen Hund aus dem Canile Lecce mitbrachten und wir fuhren zum ersten gemeinsamen Abendessen oder besser gesagt Nachtessen.

Am nächsten Morgen fuhren wir dann zusammen mit Mimma, einer Mitarbeiterin Luigias, zum Flughafen nach Brindisi und trafen dort Andrea Simeoni, einen noch jungen, aber engagierten Architekten, der mir sofort sehr sympathisch war. Der erste Weg führte auch gleich zum Oasi Nuova Vita, wo ich nun bei Tageslicht auch die vier Löcher sehen konnte, die Gabriele zum Pflanzen von vier Bäumen am Oasi-Eingang gegraben hatte und die wir alle zusammen am nächsten Tag einpflanzen wollten.

Andrea schaute sich alles sehr genau an und hatte sofort ein paar tolle Ideen, um den geplanten Charakter des Oasi Nuova Vita hervorzuheben. Nach 2 Stunden intensiven Austausches fuhren wir zum Mittagessen, wo wir alles noch vertieften, auch in Vorbereitung auf das anstehende Gespräch mit der Gemeinde.

Am Nachmittag trafen dann weitere Teilnehmer unserer Reise ein: Julia Plugge, Petra Ulbricht-Sauerwald, Yvonne Himmighofen, Petra und Lisa Eby und Martin Alexander. Zuerst einmal wurden alle in die Pension gefahren, jeder bezog sein Zimmer und erholte sich etwas von der Anreise, bevor es zum Abendessen ging. Luigia erläuterte uns noch einmal das geplante Programm unserer Reise und beantwortete viele Fragen, so dass wir dann erst gegen 1.00 Uhr nachts müde, aber voller Tatendrang, ins Bett fielen.

Tag 3

Schöner Erfolg…?

Am 3. Tag stand früh um 10:00 Uhr unser Besuch bei der Gemeinde Mandurias an, wo wir uns mit dem dort verantwortlichen technischen Direktor Guiseppe Cocco über die Ziele des Bauprojektes Oasi Niova Vita einigen und dann einen mit ihm formulierten Bauantrag einreichen wollten. Alle waren dabei, Luigia, die zweite Vorsitzende von Luigias Verein Gaia, unser Architekt Andrea Simeoni, ich selbst, sowie Julia und alle anderen Teilnehmer der Oasi-Reise. Und was soll ich sagen? Es verlief gut.

Ich war erstaunt, dass dieser Beamte von sich aus (!) diejenigen Ziele des Projektes benannte, die wir eben auch für wichtig halten. Es soll ein Pilotprojekt mit Sterilisationszentrum, Krankenstation und Welpenstation geschaffen werden. Außerdem große, sehr große Gehege mit Freilaufflächen für die Hunde.

Bedenken wurde seitens eines dazugekommenen Beamten dahingehend geäußert, dass die ortsansässigen Tierärzte befürchten könnten, dass ihnen Einnahmen verloren gehen.

Wir einigten uns daher darauf, dass die privaten Tierärzte bei Bedarf unsere OP-Einrichtung auch nutzen können, eine Einigung, die dazu führt, dass es weniger Probleme geben wird und letztlich kommt auch das den Hunden, die behandelt werden, zugute.

Und auch in einem weiteren Punkt konnten wir uns erfreulicherweise einigen: Das Oasi soll eine Begegnungsstätte für Mensch/Kind/Hund werden, Schulklassen sollen eingeladen und an das Thema Tiere/Hunde herangeführt werden. Alles in allem verlief das Gespräch also durchaus positiv.

Dann kam sogar noch der zweite Bürgermeister zu unserem Gespräch dazu. Er war ebenfalls interessiert und gab uns den interessanten Rat, zu versuchen, 4 Tierschutzorganisationen aus 4 verschiedenen EU Ländern zu finden. Wenn diese dann zusammen mit der Organisation von Luigia das Projekt Oasi Nuova Vita unterstützen würden, könnte er Fördermittel von der EU beantragen.

Die Anwesenden formulierten daraufhin die getroffenen Vereinbarungen in einem Dokument, das Carmen Gierit von SOS-Strassenhunde in den Computer des Beamten eintippte und unterzeichneten diese Anfrage, die dann jetzt in den Bauausschuss gehen wird. Luigia riet trotz dieses eher positiven Ergebnisses zum vorsichtigen Abwarten und war skeptisch, ob das, was man da formuliert hat, dann auch wirklich so gemeint war, was wohl durch ihre einschlägigen Erfahrungen hier in Apulien bedingt ist.

Nun, trotz allem waren wir nicht unzufrieden und verabschiedeten uns in einer freundlichen Atmosphäre.

Oasi-Besuch und Bäume pflanzen…

Nachdem wir vier Stunden auf der Gemeinde verbracht hatten, stand nun eine wunderschöne gemeinsame Aktion an, indem wir endlich alle zum Oasi Nuova Vita fuhren und dort nicht nur das Grundstück besichtigen, sondern auch gemeinsam 4 Bäume am Eingang zum Oasi pflanzen wollten. Auch Angela Ebert vom Förderverein Gaia Manduria und Dirk waren zwischenzeitlich zu uns gestoßen und wir machten uns alle auf den Weg. Die meisten kannten das Oasi Nuova Vita ja bisher nur von Bildern. Entsprechend groß war die Begeisterung, als wir dort ankamen.

Stella und Nerone waren ob der vielen Leute ganz aufgeregt und begrüßten uns alle voller Freude. Aber auch wir waren emotional sehr bewegt, dieses wunderschöne Fleckchen Erde und die schon durchgeführten Bauarbeiten in Augenschein nehmen zu können und malten uns schon aus, wie schön es werden wird und wievielen Hunden in Not wir hier werden helfen können.

Auch mit der Pflanzaktion der Bäume mussten wir uns sputen, denn wir hatten an diesem Tag noch einiges vor. Da einige von den Mitreisenden noch nie die Fütterung von Straßenhunden erlebt hatten, brachte uns Luigia nach der Baumaktion als nächstes zu einem Rudel von Straßenhunden, die auf einem Fabrikgelände geduldet werden.

Dieses Grundstück ist leider nicht komplett eingezäunt und genau davor befindet sich eine stark befahrene Ausfallstraße, so dass die Gefahr groß ist, daß die Hunde von einem Auto erfasst und verletzt oder gar getötet werden. Gerade noch unerfahrene Hunde unterschätzen diese Gefahr. Viele von ihnen waren auch nicht direkt auf dem Grundstück , sondern lagen am Straßenrand in der Nähe. Und sie rannten sofort los, als sie das Auto von Luigia wahrnahmen. Welch ein Schreck für uns alle!

Nun, es ging Gott sei Dank gut und wir konnten ein Rudel von ca. 25-30 Hunden satt bekommen. Danach, als wir wieder wegfahren wollten, ging der Streß von vorne los, da einige uns nachrannten und zwar mitten auf der Straße und zwischen den fahrenden Autos. Nach ungefähr 500 Metern blieben sie aber zurück und es ist nichts passiert.

Luigia füttert an solch gefährlichen Stellen deshalb immer nur spät abends oder nachts, da dann weniger Verkehr herrscht und wir einigten uns darauf, weitere Fütterungen an diesem Tag nicht mehr durchzuführen, um die Hunde nicht zu gefährden.

Hier ein kleines Video von der Fütterungsaktion :

Der Horror beginnt…

Als nächster Programmpunkt stand nun der Besuch eines Hundelagers in Lizzano an. Dieses wird inoffiziell als Canile benutzt, indem von den Hundefängern und Carabinieri eingefangene Straßenhunde dorthin gebracht werden. Es wird von einer alten Frau geführt, die sich nach eigenen Angaben “rührend” um ihre Hunde kümmert, denen es “ja bei ihr so gut ginge”… Luigia warnte uns vor und gab uns den Rat, diese Frau unsere Verzweiflung nicht spüren zu lassen, da sie uns ansonsten wegschicken würde.

Luigia hat die Zustände in diesem Canile nicht angezeigt, da diese Hunde sonst alle in eines der üblichen Canile gebracht werden und auch dort elendig eingehen würden, indem sie auch im Canile keine tierärztliche Versorgung bekämen.

Sie hat vielmehr vor, dort mit ihrem Verein zu helfen, damit einige der Hunde eine Chance bekommen.

Als wir dorthin fuhren, schlug Luigia vor, dass wir uns aufteilen sollen. Einige von uns sollten die kranken Hunde versorgen, andere sollten das Gelände säubern und den gröbsten Müll wegschaffen. Und so machten wir uns auf den Weg, begleitet von einem großen Müllwagen und wir alle “hatten die Hose voll”…

Dort angekommen, verschlug es uns sofort die Sprache. So etwas hatte wohl keiner von uns jemals vorher gesehen.

Überall Dreck, Müll, Unrat, Knochen, Skelette und dazwischen überall schwerstkranke und angekettete Hunde. Ein unbeschreiblicher Verwesungsgestank drang uns in die Nase und wir erstarrten quasi im Schockzustand. Doch Luigia treib uns an, aktiv zu werden und so streiften wir uns alle unsere Schutzanzüge über und legten los.

Einige von uns stiegen sofort in die alle möglichen dreckigen Verschläge und holten soviel Müll heraus, wie sie tragen konnten, die anderen nahmen sich die besonderns notbedürftigen Hunde her, spritzen subcutan, rieben sie mit Frontline und Adcantage ein und verabreichten ihnen Panacurtabletten.

Doch wo anfangen und wo aufhören? Das Elend nahm kein Ende. Die armen Hunden waren überall.

Und sie hatten HUNGER ! Sie waren alle bis auf die Knochen abgemagert, da sie dort nur Weintrauben als Futter bekommen. De Hunde stürzten sich auf das Futter und verschlangen gierig, was wir ihnen brachten. Und überall waren Welpen, voller Flöhe, Zecken und vom Tode gekennzeichnet.

Ein Drama, die Hölle auf Erden. Viele von uns weinten und mussten mal kurz das Gelände verlassen, doch mit zunehmender Dauer wurden wir alle immer aktiver und das Helfen und TUN trat immer mehr in der Vordergrund, denn mit Mitleid alleine war diesen armen Hunden nicht zu helfen.

Tag 4

Wenn Hunde weinen…

Am diesem Tag stand der Besuch des Caniles in Alessano an. Von den Zuständen, die in italienischen Canili bestehen, hatten wir hier ja schon berichtet. Dementsprechend war es vielen “mulmig” ob der bevorstehenden Besichtigung. Luigia berichtete auf der Fahrt dorthin, dass dieses Canile eines von den deutlich weniger schlimmen Canili sei, ja dass dort sogar Tierschützer hineindürfen, um sich etwas um die Hunde zu kümmern, was einen echten Fortschritt bedeutet.

Sogar Gassigehen sei ab und zu möglich. Dennoch sei es ein Canile, in dem es den Hunden nicht gut geht, um es milde auszudrücken. Und die Entwicklung ist immer mehr dahingehend, dass die schlimmen Canili “zumachen”, dass niemand mehr hineingelassen wird. Wenn also dieses Canile in Alessano weniger schlimm ist, wie würde es dann erst in diesen Lagern aussehen?

Auf der Fahrt zu diesem Canile begann es zu regnen, was unserer Stimmung entsprach. Der Himmel weinte und bald sollte es uns nicht anders gehen…

Auf dem Weg ins Canile

Als wir in Alessano ankamen, mussten wir uns erst einmal “durchfragen”, wo denn das Canile überhaupt genau ist. Doch wen wir auch fragten, keiner der Anwohner wusste etwas. Erst nach dem Anruf bei einem Tierschützer aus Alessano gelang es uns, dieses Tierheim zu finden. Es lag sehr sehr abseits und war nur über holprige Landstrassen zu erreichen. Auch das hat System.

Wie sollen Hunde adoptiert werden, wenn keiner weiß, wo das Tierheim liegt?
Nun, irgendwann erreichten wir dann aber doch das Tierheim und traten ein.

Als wir zum Eingang des Caniles kamen, fiel sofort ein direkt dort angebrachter “Hundespielplatz” mit Rasen und einer Art Agilitypark auf, in dem sich in paar Hunde tummelten und die wohl den schönen Charakter des Caniles nach außen demonstrieren sollten.

Wir gingen weiter und wurden von Hunderten von bellenden Hunden empfangen.

Und dann standen wir vor den langen Korridoren von Käfigen. Es war unbeschreiblich. Alle Arten von Hunden waren vertreten, Welpen, Junghunde, erwachsene Hunde und Senioren. Und alle schrien um Hilfe.

Jeder von ihnen brachte seine Verzweiflung anders zum Ausdruck.

Da gab es Hunde, die durch die Enge der 2×3 Meter großen Betonzwinger verrückt werden und sich nur noch im Kreis drehten, andere sprangen immer wieder verzweifelt am Gitter hoch, immer und immer wieder.

Andere bellten wütend und wieder andere sind einfach nur traurig, geben auf und liegen nur noch mit ihrem traurigen Ausdruck in den Augen in irgendeiner Ecke auf dem Betonboden.

Körperlich gesehen hatten sie alle eines gemeinsam : sie waren alle bis auf die Knochen abgemagert und litten an furchtbarem Hunger. Egal, ob Welpen, erwachsene Hunde oder Senioren. Das Leiden dieser armen Hunde war für uns alle seelisch eine Tortur. Hierher gehören diese Tiere nicht, sondern in eine Familie, die sie liebt.

Es würde zu weit führen, hier nun Dutzende von Bildern zu zeigen, einen besseren Gesamteindruck haben Sie sicherlich durch unser Video. Wir möchten Ihnen aber gerne von drei Hunden berichten, die uns besonders erschüttert haben :

Einer der beiden Hunde war/ist ein kleiner Welpe, ein Schäferhundmischling, ca. 3 Monate alt. Als wir vor seinem Zwinger standen, in dem er ganz alleine eingesperrt ist, drückte er sich immer wieder winselnd an die Gitterstäbe, als wollte er durch sie hindurchkriechen, er wollte einfach zu uns, zu Menschen, die ihm die Wärme und Geborgenheit geben, die eben auch ein Hundekind so dringend braucht.

Bitte holt mich raus…

Er war bis auf die Knochen abgemagert, war vollkommen ausgehungert. Leider hatten wir nur noch eine Handvoll Futter übrig, das er gierig verschlang. Ein Körbchen, irgendetwas zum Zurückziehen, hatte er nicht, nur Steinboden.

Der Anblick dieses armen kleinen Hundes ließ uns alle verzweifeln.

Welpe, ausgehungert, alleine und voller Angst

Roland bot dem dortigen Tierpfleger die sofortige Adoption an, doch er hatte keine Chance. Angeblich sei er bereits in Adoption und der zuständige Verwalter außerdem nicht anwesend.

Petra Eby wollte ihn auch sofort adoptieren, doch auch sie war chancenlos.

Und so mussten wir gezwungenermaßen nachgeben, allerdings wollte sich Luigia noch mit den örtlichen Tierschützern kurzschließen, um sich zu vergewissern, ob das mit der Adoption denn auch wirklich stimmt.

Sehen Sie hier ein kleines Video von dem armen kleinen Häufchen Hund:

Etwas weiter an zahllosen Gefängnissen entlang standen wir dann plötzlich vor dem Zwinger von Bruno, einem 12 Jahre alten Schäferhund. Bruno bellte nicht mehr, er saß nur ganz ruhig da und schaute einen an.

Und er weinte, ja er weinte.
Und wir weinten mit ihm.
Bei Bruno war es mit unserer Beherrschung so ziemlich vorbei.

Armer alter Bruno

So eine abgrundtiefe Traurigkeit hatte ich noch nie in den Augen eines Hundes gesehen. Das zu sehen, zerreißt einem das Herz.

Und wir konnten nichts tun.

Wir waren so traurig, dass wir sogar das Filmen einstellten.

Es ging nicht mehr.

Wir hätten Bruno ( und andere ) so gerne dort herausgeholt und sprachen Luigia darauf an, ob man ihn nicht in das Oasi Grundstück holen könnte. Luigia meinte, dass das derzeit noch nicht möglich ist, da hierfür ein stabiles großes Gehege auf dem Oasi Grundstück erforderlich sei und dies aufgrund fehlender finanzieller Mittel derzeit nicht errichtet werden kann.

Conte hats geschafft

Dann traf Petra Eby ihren Conte !
Als sie vor ihm stand, war es um Petra geschehen und sie sagte sofort seine Adoption zu. Conte saß mit seinen traurigen Augen da, als wollte er sagen, hier ist Endstation für mich.

An diesem Tag jedoch trafen sich seine Augen mit denen von Petra und deshalb wird er nach Deutschland ziehen, sobald alle Ausreisepapiere ausgestellt wurden und er reisefertig ist. Petra wird dafür sogar nochmals nach Apulien fliegen, um ihn zu sich zu holen!
Wenigstens er soll es schaffen.

Emotionen

Und so ging es weiter, Box um Box Traurigkeit, Verzweiflung, Selbstaufgabe, Hunger, Kälte und die spürbare Sehnsucht aller dieser Hunde, hier herauszukommen.

Wir verließen das Canile in tiefer Traurigkeit, auch die eher hartgesonnenen italienischen Tierschützer, ja nicht einmal Luigia, Corinna und Mimma, die vieles gewohnt sind, konnten ihre Tränen zurückhalten.

Sehen Sie hier unser kleines Video aus diesem Canile:

Und dennoch muss man sagen, dass dieses Canile schon einen Fortschritt darstellt. Daher bitten wir alle Tierfreunde, AUF KEINEN FALL eine mißbilligende Äußerung in Richtung dieses Canile in Form von Facebookbeiträgen oder Mails zu tätigen. Denn dann wird “dichtgemacht” und die Leidtragenden werden die Hunde sein !!

Auch in Italien wird deutsch gesprochen.

Die örtlichen Tierschützer haben dort schon einiges erreichen können. Deren Erreichtes darf unter keinen Umständen gefährdet werden!!!

Es gibt weit mehr als 1000 Canili in Italien, die noch viel viel schlimmer sind und es werden immer mehr. Dagegen müssen wir kämpfen, politisch und in Form unseres Pilotprojektes Oasi Nuova Vita in Apulien, um zu zeigen, dass es auch anders geht.

Denn in den Canili Italiens finden die eigentlichen Dramen für die Hunde statt.

Wohltat für unsere Seelen…

Nach diesen traurigen Erlebnissen stand als nächstes Ziel endlich mal etwas Schönes auf dem Programmzettel : Der Besuch des Caniles von Stefan Weber von www.cicto.org, der in Poggiardo ein altes Tierheim gekauft hat und dies nun stetig zu einem Muster-Tierheim umbaut.

Wir waren froh, endlich einmal etwas Schönes zu sehen zu bekommen und fuhren voller Erwartung zu Stefan Webers Canile “Refugio Per Cani Avia”…

Nach der Begrüßung durch Cynthia, Stefan Webers Frau und Manuela, der schweizer Mitarbeiterin des Tierheims, wurden wir hineingeführt und wir wurden nicht enttäuscht.

Es ist einfach toll, was hier in einer relativ kurzen Zeit schon geschaffen wurde. Am Eingang wurden wir erst einmal von Gänsen und Hühnern begrüßt, denen man dort ein sehr schönes Gehege gebaut hat, danach ging es in den mit vielen Bäumen und viel Grün angelegten Innenbereich mit großen und teils offenen Gehegen, die sehr sehr liebevoll angelegt waren.

Überall schöne Bäume, Sträucher und schöne Hundehütten.

Sogar ein Swimmingpool für die Hunde war angelegt worden.

Vielen mag das als Luxus erscheinen, doch Cynthia erzählte uns davon, mit welch einer Begeisterung sich die Hunde in der Hitze des süditalienischen Sommers dort hineinwerfen. Viele Hunde liefen frei auf dem Gelände herum und alle machten einen guten Eindruck.

Die Hunde waren wohlgenährt, gepflegt und wirkten alle – bis auf diejenigen, die krank eingeliefert wurden und nun dort Gott sei Dank auch therapiert werden – gesund, denn auch schwerkranken Notfällen wird hier geholfen…

Laut Cynthia wurden hier bisher über 1000 Sterlisationen durchgeführt (!!), darüber hinaus werden hier alle Hunde nicht nur sterilisiert, sondern JEDER wird auch tierärztlich versorgt und behandelt, gechippt und geimpft. Cynthia berichtete uns, daß dieses Konzept nun auch immer mehr von den verantwortlichen Politikern wahrgenommen wird.

Und das ist der BESTE TIERSCHUTZ, den man hier in Süditalien machen kann.

Denn dies verhindert tausendfaches Leid und erspart vielen vielen Hunden das Grauen der italienischen Canili.

Als wir über dieses wunderschöne Gelände liefen, wurde uns wieder bewusst, wie RICHTIG und WICHTIG unser Oasi Nuova Vita Konzept ist, das eigentlich dieselben Ziele verfolgt :

-Mit der Errichtung einer Struktur, in der man die Hunde artgerecht und liebevoll unterbringen kann und in der alle Hunde tierärztlich behandelt, gut ernährt, geimpft und gechippt werden.

-Mit einer Struktur, mittels der man zeigt, dass es auch anders geht, als in den üblichen Lager-Canili Italiens.

-Mit eine Struktur, in der man konsequent sterilisiert und damit ungewollten Nachwuchs verhindert, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Tierheims und damit einschließend auch die Hunde in Privatbesitz und die Straßenhunde.

-Mit einer Krankenstation, in der kranke und akut hilfsbedürftige Hunde ärztlich versorgt werden, denn Notfälle gibt es hier sehr sehr viele.

-Mit einer Welpenstation, auf der die kleinen Hunde, die auf dem Müllplatz oder sonstwo gelandet sind, eine Chance zum Leben bekommen.

-Mit einer Struktur, wo man Menschen an das Thema “Hund” heranführen kann, Aufklärungsarbeit betreiben und die Politiker davon überzeugen kann, dass dies ein besserer Weg ist, politisch, ethisch und moralisch.

Die Straßenhunde zu versorgen und zu füttern ist nötig, aber das alleine wird NICHTS an der Situation an sich ändern!

Wir müssen die Ursache des ganzen Leids bekämpfen und wir müssen einen Gegensatz zu diesen schrecklichen Canili schaffen.

Denn diese sind der wahre Alptraum Italiens!

An diesem Tag regnete es leider in Strömen, weshalb unsere Bilder einen etwas tristen Eindruck machen. Wir möchten Ihnen daher noch ein paar Bilder zeigen, die Stefan Weber im letzten Sommer aufgenommen hat:

Bruno`s und Berta`s Rettung?…

Nach der Besichtigung dieses wunderschönen Tierheims wurden wir dann noch auf einen kleinen Snack in einer nahegelegenen Pizzeria eingeladen, wo wir uns noch ein Video über die Zustände in den italienischen Canili anschauten und dann eine Kleinigkeiten zu uns nahmen (einigen war danach allerdings der Appetit vergangen).

Und dann fing Julia plötzlich furchtbar das Weinen an.

Sie weinte um Bruno, dessen Anblick sie nicht mehr losließ und der ihr so sehr leid tat.

Bruno

Wir sprachen dann mit Luigia in der Hoffnung, dass Bruno dort aus Alessano raus und zu uns auf das Oasi Gelände kommen könnte. Luigia meinte jedoch, daß wir einfach ein großes Gehege benötigen und dafür fehlt derzeit einfach das Geld. Doch all diese Traurigkeit ließ uns schließlich hoffen, daß wir es durch evtl. eingehende Spenden doch schaffen könnten und Luigia rief die dortigen Tierschützer an, ob sie Bruno herausholen können.

Berta

Und dann weinte Julia vor Freude…

Da wir die Boxnummer nicht genau wussten, konnten wir den Hund nur beschreiben und die dortigen Tierschützer meinten, es handle sich um die ebenfalls sehr leidende Schäferhündin Berta.

Nach viel hin und her war es dann so, daß wir zwei Schäferhunde herausholen wollten, Berta und Bruno. Bruno und Berta sollen einen gemeinsamen Platz bekommen. Nun hofften wir alle inständig, dass uns etwas geholfen wird, damit Luigia ein entsprechendes Gehege, das ja recht stabil gebaut sein müsste, bauen lassen kann (auch ein paar von den Lizzano-Hunden sollen gerettet und zum Oasi gebracht werden).
Die Tierschützer in Alessano haben uns derweilen versprochen, dass Bruno, Berta, Conte und der kleine Welpe, bis zu ihrem Auszug in ein besseres Leben, von Ihnen täglich versorgt und gefüttert werden.

Aber der Tag war noch nicht zuende…

Nach der Rückfahrt nach Manduria musste sich Luigia erst einmal wegen einiger Adoptionen von Hunden nach Bologna um einiges kümmern und wir verabredeten uns um 22:00uhr zum Abendessen.

Kurz vorher machten wir uns dann zu Fuß auf den Weg zur Pizzeria. Den Weg kannten wir ja zwischenzeitlich. Und wieder begegneten wir einigen Straßenhunden. Einer hatte sich in einer Parkbucht zum Schlafen gelegt, ein anderer mitten AUF der Straße an der Bordsteinkante.

Und dann kam Billy : er lag direkt am Eingang zu einem Geschäft und alle Menschen dort gingen achtlos an ihm vorüber, außer uns…als wir ihn streichelten, stand er auf und…na, sehen Sie selbst:

Leider erreichte uns aktuell vor 2 Tagen eine schlimme Nachricht : Luigia berichtete uns, daß sich nun ein Anwohner über Billy beschwert hat. Er sei so aggressiv und soll ins Canile. Dies bedeutet sein Ende. Billy wurde vor 4 Monaten vergiftet, jedoch von Luigia gerettet. Sein “Zuhause” ist der Stadtkern von Manduria, wo Luigia immer ein Auge auf ihn hat, weshalb ihre Bindung zu ihm recht stark ist.

Nun, am Sonntag, den 23.10.11 wurde er von Hundefängern ins Canile von Manduria gebracht und wir alle waren darüber sehr traurig. Luigia jedoch ist am Tag darauf ins Canile gefahren, hat ihn dort herausgeholt und hat ihn nun bei ihrer Freundin Gina erst einmal in Sicherheit gebracht.

Doch dort kann er aber leider nicht bleiben. Wir benötigen also sehr dringend das Gehege auf dem Oasi Gelände. Und Luigia hofft, dass dieser so liebe Hund eine Familie finden wird. Billy hätte es verdient, endlich anzukommen. Einst Familienhund, dann ausgesetzt, dann vergiftet und jetzt ins Canile geworfen…

Aber davon wussten wir an diesem Abend noch nichts, den wir dann alle gemeinsam ausklingen ließen. Wir standen alle immens unter dem Eindruck des Erlebten der letzten Tage.

Viele dankten Luigia für ihr unglaubliches Engagement, das sie hier nun life erleben konnten und versprachen, wiederzukommen.

Und alle waren sich darin einig, daß das Projekt des Oasi Nuova Vita hier in Apulien wirklich wichtig ist, dass es NOTWENDIG ist, um einen neuen Anfang zu machen, um ein Pilotprojekt für möglichst viele neue Tierheime im Stil des Oasi Nuova Vita zu schaffen und durch eine über das Oasi Nuova Vita stattfindende konsequente Sterilisationspolitik Änderungen in Apulien herbeiführen zu können.

Das Leiden der Canilihunde MUSS aufhören.

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