Bella Italia! Die Situation in Italien!

Gastfreundlichkeit, Lebensfreude, guter Wein und wohlschmeckende Pasta, meist schönes Wetter, herrliche Strände und sehenswerte Städte. Das anmutige Capri, die blumenreiche Riviera, das beeindruckende Rom, die wunderschöne Amalfiküste, die liebliche Toskana…ja, es gibt sehr viele Menschen, die dieses Land lieben und jedes Jahr ihren Urlaub dort verbringen.

Aber es gibt eine andere, meist versteckte und grausame Realität Italiens, die nichts mit alledem zu tun hat : das Schicksal der zahlreichen Strassenhunde und die italienischen Tierheime, von ital. Tierschützern oft auch als “Lager” bezeichnet.

Theorie und italienisches Tierschutzgesetz:

Mit dem Inkrafttreten des italienischen Tierschutzgesetzes 291/1991 wurde die bis dahin geltende Praxis, Strassenhunde einzufangen und sie dann nach 3 Tagen zu töten, beendet. Seit 1991 ist das Töten der Hunde verboten. Das Aussetzen der Haushunde wird mit einer Geldbuße von 10.000 Euro oder Gefängnis von bis zu einem Jahr geahndet. Auch sind die Halter von Haustieren gemäß diesem Gesetz dazu verpflichtet, ihre Tiere zu chippen und sie in einem Haustierregister eintragen zu lassen.

Das Gesetz betont außerdem deutlich die Fürsorgepflicht des Staates, der für eine Geburtenkontrolle zu sorgen hat. Dieses Gesetz, das allerdings nicht bundeseinheitlich ist, sondern ein Rahmengesetz darstellt, lässt auf den ersten Blick vermuten, dass eigentlich alles in bester Ordnung ist.

Aber:

Laut einer Studie des italienischen Gesundheitsministeriums aus dem Jahren 2006/2007 gibt es in Italien 600.000 Strassenhunde, davon seien ca. 150.000 in teils staatlichen, meist aber privaten Tierheimen untergebracht.

Die italienische Tierschutzorganisation LAV geht hingegen von 1 Million Strassenhunden und von 600.000 Hunden in solchen Tierheimen aus (1).

Warum also diese erschreckenden Zahlen trotz des ja vorhandenen guten (!) Tierschutzgesetzes ? Wenn alle Hunde kastriert und alle Hunde in einem Melderegister eingetragen werden, wie es das Gesetz vorschreibt, wie kommen dann solche Zahlen zustande ?

Realität:

1) Straßenhunde:

Entgegen dem bestehenden Tierschutzgesetz werden in Italien jedes Jahr durchschnittlich 135.000 Haushunde ausgesetzt. Nur ca. 5 % dieser Hunde sind sterilisiert und gechippt, so dass deren Besitzer auch nicht auffindbar sind und damit auch nicht bestraft werden können. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass diese per Gesetz vorgesehene Strafe von 10.000 Euro für das Aussetzen auch nur ein einziges Mal ausgesprochen wurde.Und auf diese Hunde wartet ein grausames Leben voller Entbehrungen. Viele verhungern, werden vergiftet, überfahren, sterben an Entkräftung oder an ihren unbehandelten Verletzungen und Krankheiten. Da sie nicht sterilisiert sind, pflanzen sie sich fort und so wiederholt sich alles immer wieder von vorne.

Allein in Apulien muss von 150.000 Strassenhunden ausgegangen werden. 50.000 Welpen werden hier jedes Jahr auf der Strasse geboren und jedes Jahr kommen neue ausgesetzte Hunde dazu. Die Zahl der Strassenhunde hat daher eher zu – als abgenommen, trotz der hohen Sterberate auf der Strasse.

Italienische Tierschützer tun, was sie können, stehen aber einer Allmacht aus ziviler Gleichgültigkeit und politischer Trägheit gegenüber. Das geht soweit, dass sie beschimpft und bedroht werden, wenn sie sich für die hungernden Strassenhunde einsetzen, in einigen Gemeinden für das Füttern Geldstrafen bekommen und jüngst wurden sogar zwei Tierschützer, die einer Anzeige wegen Tiermißhandlung nachgingen, erschossen. Das italienische Tierschutzgesetz ist zwar gut, wird aber nicht praktiziert und es durchzusetzen, ist sehr sehr schwierig.

Und: Italienische Tierschützer haben es schwer. In Deutschland, der Schweiz und Österreich gibt es keine Streuner und Tierschützer sind demzufolge hier auch nicht mit diesem Problem konfrontiert. In Italien hingegen kämpfen die Tierschützer an vorderster Front. Sie holen die Hunde von der Strasse, versorgen sie, füttern sie und zahlen notwendige tierärztliche Maßnahmen aus eigener Tasche, oft bis an die Grenze des Machbaren.

Ganz zu schweigen von all dem Horror, den sie tagtäglich seelisch verkraften müssen und der gleichzeitigen Trägheit und Gleichgültigkeit der örtlichen Behörden, die ihnen entgegenschlägt. In Deutschland besteht jederzeit ein öffentlicher Zugang zu den Tierheimen und Adoptionen werden gezielt gefördert. In Italien kommen Tierschützer oft entweder gar nicht oder nur unter allergrößten Schwierigkeiten in Tierheime hinein. Und wenn sie das trotzdem schaffen, dann geht es hier darum, sich um das nackte Überleben der eingesperrten Hunde zu kümmern. Und es sind nicht nur ein paar Hunde, denen es schlecht geht, es sind Zigtausende.

2) Italienische Tierheime:

 

Bis 1991 war es in Italien üblich, die ausgesetzten Strassenhunde einzufangen und sie nach drei Tagen zu töten. Mit dem Erlass des Tierschutzgesetzes 291 wurde dies beendet und dafür eine neuer Weg beschritten : Man begann nun seitens der Gemeinden, Verträge mit privaten Tierheimbetreibern zu schließen, die dafür zu sorgen haben, dass Strassenhunde eingefangen, versorgt und auch angemeldet werden, um sie nach einer Wartezeit von sechzig Tagen an neue Besitzer zu vermitteln.

Dafür werden den Betreibern dieser Tierheime Summen von ein bis vier Euro (=schwankend) pro Tag und pro Hund bezahlt : ein lohnendes Geschäft für die Tierheimbesitzer !!

Die Rechnung ist einfach : je mehr Hunde auf möglichst wenig Platz, je weniger Adoptionen, je weniger Ausgaben für Futter und tierärztliche Versorgung, desto höher der Gewinn.

Also : Bei 1000 Hunden bringt das bis zu 4000 Euro pro Tag, also 120.000 Euro im Monat….und je weniger für die Hunde ausgegeben wird, umso mehr davon bleibt übrig…

Was dies für diese eingesperrten Hunde bedeutet, kann sich jeder leicht vorstellen.

Laut der italienischen Tierschutzorganisation LAV (1) wurden im Jahr 2007 insgesamt 1144 Tierheime gezählt. Unter diesen sind zwar auch kommunale und wirklich gut geführte Tierheime zu finden, in denen man sich liebevoll um die Tiere kümmert; die Anzahl der privaten Tierheime, in denen der Profit und nicht die professionelle Versorgung der Tiere im Vordergrund steht, übersteigt diese jedoch bei weitem und in vielen, in sehr vielen, erwartet die eingesperrten Hunde die Hölle auf Erden:

Wie das „Leben“ in einem solchen Tierheim aussieht, muss man sich demnach wie folgt vorstellen :

  • viele Hunde verhungern und verdursten…
  • die Tiere sind ständigen Misshandlungen ausgesetzt…
  • es gibt keinen Schutz vor Kälte oder Hitze; keine Liegeplatze und keine Rückzugschance…
  • es gibt keinen Freilauf; die Hunde bleiben lebenslang in ihren Käfigen bis zu ihrem Tod, Tag für Tag, 365 Tage im Jahr….
  • bedingt durch die Enge drehen viele Hunde durch, es kommt zu Beißereien und folglich Bißverletzungen mit stinkenden und eiternden Wunden; schwächere Hunde werden totgebissen…
  • sie stehen knöcheltief in ihren Exkrementen…
  • Hygiene : Fehlanzeige..
  • es gibt keine tierärztliche Versorgung, kranke oder verletzte Tiere bleiben unbehandelt, denn das spart Geld…
  • die Tiere werden rücksichtslos auf engsten Raum zusammengepfercht…
  • selbst in diesen Tierheimen werden die Hunde nicht sterilisiert…
  • schwerstkranken Hunden wird die erlösende Spritze vorenthalten..
  • viele Welpen sterben elendig durch nicht vorhandene Hygiene an Infektionskrankheiten wie Staupe oder Parvovirose…

Vermittlungen aus solchen Tierheimen finden so gut wie nie statt, meist ist Besuchern der Zugang auch nicht gestattet. In ein solches “Tierheim” eingeliefert zu werden, bedeutet Endstation, bedeutet Dahinvegetieren bis zum Tod, an dem auch noch verdient wird…

Die folgenden Videos unserer Partnerorganisation CICTO.ORG können Ihnen einen diesbezüglichen Eindruck vermitteln.

Vorsicht : grausame Filmaufnahmen !

Zusammenfassung:

Italien hat ein sehr gutes Tierschutzgesetz, das jedoch nicht umgesetzt wird. Die Zahl der ausgesetzten Haushunde ist enorm, eine Bestrafung für das Aussetzen kann nicht ausgesprochen werden, da mangels Chippung die Besitzer nicht identifiziert werden können und sich viele örtliche Gemeinden auch nicht wirklich dafür interessieren, etwas ändern zu wollen.

Staatlich geförderte Geburtenkontrolle in Form von Sterilisationen finden nicht statt. Die derzeitige Vorgehensweise, Strassenhunde einzufangen und diese dann in privat oder von Unternehmern geführten Tierheimen „unterzubringen“, löste bisher nicht nur das Problem nicht, sondern bedingt einerseits unsagbares Leid für die Tiere und andererseits Millionen von sinnlos ausgegebenen Steuergeldern, ohne dass sich an der Situation selbst etwas ändert.

Nach wie vor gibt es auch von gesetzlicher Seite her keine bundeseinheitliche Regelung für Tierheime und jeder, der einen Antrag bei der Gemeinde und beim Amtstierarzt einreicht, kann ein solches Tierheim eröffnen. Fachliche Qualifikationen werden nicht vorausgesetzt.

Lösungsansätze:

Die Hauptprobleme Italiens sind in der enorm hohen Zahl ausgesetzter Haushunde, der nicht vorhandenen Geburtenkontrolle seitens der Hundebesitzer und in der Privatisierung der Tierheime zu sehen. Dementsprechend ist es vordergründig wichtig, vor allem diesbezüglich Veränderungen herbeizuführen :

1) Es muss ein einheitliches und klar definiertes Tierschutzgesetz geschaffen werden, das in ganz Italien Gültigkeit hat.

2) Der Staat muss endlich seinem eigenen Tierschutzgesetz folgen und landesweit die Geburtenrate senken, also dafür sorgen, dass sowohl die Haus- als auch die Strassenhunde sterilisiert werden. Nur durch konsequente Geburtenkontrolle ( auch innerhalb der Tierheime !) lässt sich all dieses Leid verhindern. Sterilisierte Strassenhunde sollten – wo dies möglich ist – wieder an dem Ort ausgesetzt werden, an dem sie eingefangen wurden, nachdem sie sterilisiert wurden. Dieses Verfahren ist die einzige Möglichkeit, das Restrudel nicht zu einer verstärkten Reproduktion anzuregen. Das Wegsperren der eingefangenen Strassenhunde allein ändert NICHTS an der hohen Zahl von Strassenhunden. Wissenschaftliche Studien von Verhaltensforschern, Biologen, Mathematikern und Tierärzten zeigen, dass nur die Kastration und Sterilisation effektiv ist.; dies wird auch von der WHO bestätigt :

Guidelines for Dog Population Managment W.H.O. Geneva, 1990

( page 74 ) :

Removal and killing of dogs should never be considered as the most effective way of dealing with a problem of surplus dogs in the community : it has no effect wahtsoever on the root cause of the problem.

3) Jedes Haustier muss nicht nur kastriert/sterilisiert, sondern auch gechippt und im Haustierregister eingetragen werden, mit dann auch folgender Kontrolle durch die Gemeinde und einer Geldstrafe im Falle fehlender Identifikation : Abschreckungseffekt.

4) Die einzelnen Gemeinden müssen damit beginnen, ihre eigenen Gesetze umzusetzen, Verantwortung zu übernehmen und ihre eigenen Tierheime bauen, in denen die Hunde artgerecht untergebracht und versorgt werden, in denen die Zahl der untergebrachten Hunde auch der Tierheimgröße angepasst ist, jederzeit Zugang für die Bevölkerung besteht und Adoptionen damit gefördert werden. Das Tierheim der A.I.P.A. in Atripaldaist hier ein überaus lobenswertes Beispiel – leider ist das eine Ausnahme und nicht die Regel.

Eigentlich überflüssig zu erwähnen ist die Forderung nach qualifiziertem Personal, vernünftiger Ernährung, Einhaltung von Hygienemaßnahmen, Impfungen und tierärztlicher Versorgung bei Krankheiten und Verletzungen.

Solange mit eingefangenen Strassenhunden viel Geld verdient werden kann, wird sich die Situation nicht verbessern. Die Privatisierung der Tierheime ist eines der größten Probleme Italiens.

5) Die Bevölkerung muss durch Aufklärungskampagnen für die Probleme sensibilisiert werden, Öfentlichkeitsarbeit massiv vorangetrieben werden.

6) Das Thema Tierschutz muss im Lehrplan der Schulen verankert werden, um die kommende Generation zu einem dann vielleicht verantwortungsvolleren Umgang mit unseren Mitgeschöpfen anzuhalten.

Wenn Sie uns helfen wollen …

Sie können unseren politischen Tierschutz unterstützen, indem Sie die folgend aufgeführten Petitionen unterzeichnen :

www.thepetitionsite.com/1/puglia-dogs-hell

www.thepetitionsite.com/1/ItalianKennelHell

www.thepetitionsite.com/1/let-say-no-to-italian-hell-in-the-city-of-campobasso-in-molise

Unsere Partnerorganisation CICTO.ORG hat aktuell eine Powermail auf ihrer Homepage publiziert. In dieser Mail wird der offene Brief, den wir auf der Pressekonferenz in Bari übergeben hatten, an viele verantwortliche Tierheimbetreiber, Behörden und Politiker weitergeleitet. Wir bitten Sie, sich unserem Protest anzuschließen und sich auch hier einzutragen : PROTEST

Sie können uns bei der Realisierung unseres Puglia-Projektes helfen :

Die Not der Strassenhunde in Apulien ist immens. Wir möchten in Apulien Abhilfe schaffen, indem wir ein Kastrationszentrum öffnen, den kranken und verletzten Strassenhunden medizinische Hilfe gewähren und verlassenen oder ausgesetzten Welpen eine Chance zum Leben geben können.

Tierschutztage sollen abgehalten und die Aufklärung und die Sensibilisierung der Bevökerung vorangetrieben werden. Hierzu benötigen wir dringend Spenden, um die Baumaßnahmen des “Oasi Nuova Vita” durchführen zu können.Gastfreundlichkeit, Lebensfreude, guter Wein und wohlschmeckende Pasta, meist schönes Wetter, herrliche Strände und sehenswerte Städte. Das anmutige Capri, die blumenreiche Riviera, das beeindruckende Rom, die wunderschöne Amalfiküste, die liebliche Toskana…ja, es gibt sehr viele Menschen, die dieses Land lieben und jedes Jahr ihren Urlaub dort verbringen.

Bericht: Dr. Roland Eichler

 

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